Cannabis als alternatives Heilmittel

Cannabis als alternatives Heilmittel

Wenn Sie in den letzten Wochen aufmerksam die Presse verfolgt haben, haben Sie eventuell mitbekommen, dass fünf Schwerkranke vor dem Kölner Verwaltungsgericht geklagt hatten, um für Therapiezwecke Cannabis zu Hause zu züchten. Jetzt haben Sie Recht bekommen. Aber was genau ist Cannabis eigentlich und wogegen soll es helfen?

Cannabis – Haschisch – Hanf

Die Hanfpflanze, wissenschaftlich Cannabis genannt, gilt schon seit Jahrtausenden als Heilpflanze bei verschiedenem Leiden. Bereits vor über 4700 Jahren wussten unsere Vorfahren um die natürliche Heilwirkung der Pflanze. In den letzten 100 Jahren wurde sie allerdings auf das Image einer Einstiegsdroge reduziert und wie so viele andere natürliche Heilpflanzen durch moderne Arzneimittel verdrängt. Doch in letzter Zeit gewinnt Cannabis zunehmend wieder an Bedeutung als Alternativmedizin.

Während Nutzhanf vor allem als Bestandteil in Kleidung, Dämmstoffen und Lebensmitteln verwendet wird, fängt auch die Medizin wieder an, sich die positiven Eigenschaften des teilweise illegalen Cannabis zu Nutze zu machen. Es wirkt nicht nur beruhigend und appetitanregend, sondern lindert Schmerzen und wirkt entzündungshemmend, womit es eine beeindruckende Bandbreite an Indikationen aufweist.

Zwei verschiedene Pflanzenarten mit unterschiedlicher Wirkung

Grob unterteilt man die Hanfpflanze in die zwei Sorten Indica und Sativa. Ihre heilende Wirkung zieht die Pflanze aus bestimmten Inhaltstoffen, den sogenannten Cannabinoiden, THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Durch die unterschiedliche Konzentration in den verschiedenen Hanfarten erklärt sich auch die Vielfalt der möglichen Anwendungsgebiete.

Die Indica-Sorte wirkt vor allem auf physischer Ebene. Sie zeichnet sich insbesondere durch ihre beruhigende und muskelentspannende Wirkung aus. Bei Erkrankungen mit Muskelspasmen gilt sie inzwischen als erfolgversprechendes Heilmittel.

Die Sativa-Sorte hingegen wirkt vorwiegend zerebral, also das Großhirn betreffend. Aufgrund der geistigen sowie körperlichen Relevanz wird sie beispielsweise bei Übelkeit, Migräne oder Depressionen eingesetzt.

Viele existierende Formen der Pflanze sind Kreuzungen, die die beiden Vorzüge kombinieren und vor allem bei chronischen Schmerzen zum Einsatz kommen.

Verschiedene Anwendungsgebiete von Cannabis

Cannabis bietet ein vielfältiges Indikationsspektrum, welches von Epilepsie über Depressionen bis hin zum Suchtausstieg reicht. Größtenteils fehlen jedoch ausführliche Studien, die die Erfolge in der Medizin belegen. Aber in manchen Bereichen ist die Behandlungsform mit Cannabis inzwischen anerkannt.

Multiple Sklerose (MS)

Bei Multipler Sklerose handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die das Nervensystem befällt und durch schmerzhafte Krämpfe in Erscheinung tritt. Die Krankheit beginnt oft schon in jungen Jahren und gilt bis heute als nicht heilbar. Cannabis verringert die Muskelspannung und führt somit zur Abnahme der Spasmen. Außerdem werden motorische Leistungen, wie das Schreiben, erleichtert. Mit Cannabis medikamentierte Patienten berichten von Schmerzlinderung und einem erholsameren Schlaf infolge der Behandlung. Teilweise erlangen sie dadurch sogar wieder mehr Kontrolle über Blase und Darm, welche im Laufe der MS-Erkrankung verloren gehen und zu verschieden Arten von Inkontinenz führen kann. Hinzu kommt, dass betroffene Patienten vor allem auch von der stimmungsaufhellenden Wirkung von Cannabis profitieren.

Morbus Alzheimer

Als degeneratives Leiden des Nervensystems stellt Morbus Alzheimer den häufigsten Auslöser für Demenz ab dem 60. Lebensjahr dar. Die bis heute unheilbare Krankheit zeichnet sich vor allem durch Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie einer Verringerung des Urteilsvermögens aus. Zu den wenigen wirksamen Medikamenten bietet Cannabis eine gute Alternative. Durch die Reduzierung von Entzündungen im Gehirn wird der Pflanze ein präventiver Effekt nachgesagt und mit seiner appetitsteigernden Eigenschaft schafft es Abhilfe bei Abmagerung, welche ein großes Problem bei Alzheimer ist. Außerdem ließen sich in verschiedenen Studien Rückschlüsse auf eine Reduzierung der Verwirrtheitszustände ziehen.

Abmagerung/Appetitlosigkeit

Während bei Magersucht keine Erfolge verzeichnet werden konnten, steht trotzdem fest, dass Cannabis auf Grund seiner appetitanregenden Wirkung erfolgreich bei Erkrankungen mit geringer Nahrungsaufnahme, wie zum Beispiel Aids oder Krebs mit daraus resultierender Chemotherapie, eingesetzt werden kann.

Rheuma

Unter dieser Autoimmunerkrankung, welche von Entzündungen der Gelenke geprägt ist, leiden verschleißbedingt vor allem ältere Menschen. Die Cannabistherapie wirkt den Schmerzen entgegen und verhilft außerdem zu einem besseren Schlafverhalten der Erkrankten.

Schmerzen

Nicht nur Multiple Sklerose und Rheuma Patienten können von der schmerzlindernden Wirkung profitieren. Auch Patienten mit Migräne, Nerven- und Phantomschmerzen sowie Krebspatienten können mit Cannabis schmerztherapiert werden.

Glaukom/Grüner Star

Der Grüne Star, der etwa 4 % der über 40-Jährigen betrifft, äußert sich durch einen erhöhten Augeninnendruck. Dieser schädigt den Sehnerv nachhaltig und führt unbehandelt bis zur Erblindung. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch Cannabisanwendung der Augeninnendruck um bis zu 30 % gesenkt werden kann. Hierbei wird der Wirkstoff lokal in Tropfenform eingesetzt, um eine größere Wirkung zu erzielen.

Aufnahmeformen von Cannabis

Je nach Beschwerdebild wird Cannabis unterschiedlich konsumiert. Rauchen, inhalieren oder essen kommt ebenso in Frage wie auch die äußere Verwendung als Tropfen. Neben der natürlichen Form von Cannabis wird es inzwischen zu medizinischen Zwecken auch synthetisch hergestellt. Während die künstlichen Präparate besser dosiert werden können, beinhaltet die natürliche Form eine größere Vielfalt an heilenden Inhaltsstoffen und ist die günstigere Aufbereitungsmöglichkeit.

Mögliche Nebenwirkungen bei Cannabiskonsum

Cannabis wirkt auf den jeweiligen Konsumenten sehr individuell. Eine Therapie mit Cannabis kann von Aufmerksamkeits- und Reaktionsstörungen, Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinnes oder Übelkeit begleitet werden. Laut einer Studie traten bei 1 von 100 Patienten ernsthafte psychische Nebenwirkungen bis hin zu Suizidgedanken auf.

Aktuelle Rechtslage

In Europa gibt es keine einheitliche Regelung bezüglich des therapeutischen Einsatzes von Cannabis. In Deutschland darf es zu Behandlungszwecken nur mit einer Ausnahmegenehmigung angewandt werden. Momentan sind dies lediglich rund 270 Patienten in Deutschland. Anders gestaltet sich die rechtliche Regelung zum Beispiel in Nord- und Südamerika. Vor allem in den USA ist Cannabis inzwischen in über der Hälfte der Bundesstaaten für den medizinischen oder sogar für den allgemeinen privaten Gebrauch legalisiert worden und auch in Südamerika gibt es immer mehr Länder, in denen der Konsum von Cannabis nicht mehr illegal ist.

In dem hier anfangs erwähnten konkreten Fall ging es übrigens um den sogenannten Eigenanbau von Cannabis, welcher auch weiterhin im Grundsatz verboten bleibt. Aber unter mehreren Bedingungen ist es jetzt möglich auch für den Anbau eine Sondergenehmigung zu erhalten. Dafür muss ein Antrag beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn gestellt werden und die Behörden entscheiden individuell von Fall zu Fall.

Sollten Sie noch Fragen rund um das Thema Cannabis haben, dann können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren und wir werden versuchen alle aufkommenden Fragen zu klären.

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