Die absurdesten Heilmethoden der Weltgeschichte

Absurde Heilmethoden der Geschichte

Heutzutage suchen immer mehr Menschen medizinische Hilfe abseits der gängigen Schulmedizin und probieren stattdessen alternative Heilmethoden aus. Auch früher schon wurden verschiedene medizinische Therapien angewendet. Viele dieser Heilmethoden waren aber nicht nur nutzlos, sondern konnten auch gefährlich oder sogar tödlich sein.

Aderlass

Heute würde vermutlich kein normaler Mensch mit gesundem Verstand auf die Idee kommen, geschwächten Patienten literweise Blut abzulassen, aber noch bis ins 19. Jahrhundert hinein war es eine anerkannte und weitverbreitete Heilmethode.

Basierend auf der antiken Säftelehre entstehen Krankheiten, wenn die vier Körpersäfte (Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim) aus dem Gleichgewicht geraten. Da bei vielen Krankheiten ein Zuviel an Blut als Ursache gedeutet wurde, griffen die Ärzte zum Messer und versetzten Schwerkranken damit häufig den Todesstoß.

Aber nicht nur Blut wurde abgelassen, sondern bei Bedarf mussten auch die anderen Säfte fließen. Der psychisch kranke Friedrich Hölderlin hatte beispielweise laut Diagnose zu viel gelbe Galle und da hierzu Eiter gezählt wurde, brachte man ihm entzündliche Wunden an der Stirn bei.

Quecksilber als Mittel gegen Syphilis

Da Antibiotika als effizientes Mittel gegen die „Lustseuche“ Syphilis leider noch nicht erfunden war, griffen Arzt und Patient zu Quecksilber. Hierdurch sollte überflüssiger „Schleim“ beseitigt werden und wenn sich die Patienten in Reaktion auf das giftige Metall heftig übergaben, war dies nur ein Indiz dafür, dass die Behandlung erfolgreich anschlug.

Selbstverständlich änderte die innerliche und äußerliche Anwendung nichts an der Krankheit, sondern führte stattdessen über kurz oder lang zu einer Schwermetallvergiftung und somit zum Tod. Aber auch ohne eine wirksame Behandlung sah es für die Erkrankten nicht gut aus.

Durch die Syphilis waren die Erkrankten ihr Leben lang von Narben und Geschwüren gezeichnet und im Spätstadium der Erkrankung litten viele unter Demenz und schlussendlich führte es unweigerlich zum Tod.

Trepanation – das Loch im Kopf

Das Öffnen der menschlichen Schädels wird als Trepanation bezeichnet und inzwischen wurden über 450 solcher „Löcher im Kopf“ aus der Jungsteinzeit in Europa nachgewiesen. Viel wissen wir allerdings nicht über den Sinn und Nutzen der Löcher. Sollte es einen Ausgang ermöglichen oder einen Eingang? Sollten Kopfschmerzen oder Hirnverletzungen behandelt werden? Oder waren es magisch-religiöse Praktiken?

Fakt ist nur, dass es scheinbar gar nicht so schwierig war, mit Hilfe einer Feuersteinklinge ein Loch in den Kopf zu schneiden und in vielen Fällen verlief die Operation sogar so gut, dass der oder die Behandelte danach weiterleben konnte.

Antimasturbationskorsett

Das nächste Beispiel zeigt, dass es noch nicht mal einer Krankheit bedurfte, um mit zweifelhaften Heilpraktiken Bekanntschaft zu machen. Da ab dem 18. Jahrhundert unter europäischen Medizinern eine Art Hysterie gegen die „Selbstbefleckung“ entstand, wurden zahlreiche Kinder von ihren fürsorglichen Eltern in ein Korsett gezwängt, das die Berührung der Geschlechtsorgane unmöglich machte.

Die kostengünstigere Variante war es, den Kindern des Nachts die Hände zu fesseln. Anstatt der drohenden Liederlichkeit, dem Haarverlust oder der Gehirnerweichung (alles angebliche Folgen der Selbstbefleckung), führte dies häufig zu einer Traumatisierung des Kindes.

Tabak-Klistier

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Tabak noch als gesund und nützlich bei verschiedenen kleineren Leiden, wie zum Beispiel bei denen des Darms. Um den heilenden Qualm direkt an Ort und Stelle zu bringen, entwickelten Mediziner Systeme aus Verbrennungskammer und Blasebalg, die den Patienten eine Art rektales Rauchen ermöglichten.

Aber auch zur Wiederbelebung bei Schiffbrüchigen oder Bewusstlosen wurde noch im 18. Jahrhundert Tabakqualm eingesetzt. Ob rektal oder oral ist in diesem Fall noch umstritten.

Cox’ Schaukel

Die vom englischen Nervenarzt Joseph Mason Cox (1763-1818) erfundene Schaukel diente dazu, psychisch Kranke um die eigene Achse rotieren zu lassen. Der von Cox entwickelte Apparat hatte gegenüber verschiedenen Vorgängermodellen den Vorteil, dass der Patient nach hinten geneigt im Sitz lag.

Die Folgen der Behandlung waren Schwindel, Übelkeit und Erbrechen – und wohl auch gehörige Angst bei den Patienten vor einer Wiederholung der Prozedur. Durch das Verfahren sollten Patienten kontrollierbarer oder zugänglicher für Argumente gemacht werden und nicht ganz zufällig besteht eine Ähnlichkeit mit der Foltermethode des Waterboardings.

Lobotomie bei psychisch Kranken

Erst im letzten Jahrhundert nahm die Lobotomisierung psychisch Kranker ein ungeahntes Ausmaß an. Bei der vom amerikanischen Arzt Walter Freeman entwickelten einfacheren Ausführung der Heilmethode wurde dem Patienten eine Art Eispickel unterhalb des Lids am Augapfel vorbei in die Augenhöhle gebohrt, der Schädelknochen durchstochen und mit einer Klinge „nach Gefühl“ im Gehirn herum geschnitten – und zwar so lange und gründlich, bis sein waches Opfer erste Ausfallerscheinungen zeigte.

Zurück blieben leichte Hämatome am Auge und Patienten, die ihr weiteres Leben oft damit verbrachten, teilnahmslos die Wand anzustarren. Ziel bei dieser Prozedur war es, diverse Störungen von Schizophrenie bis zur antisozialen Aufsässigkeit zu behandeln. Oder zumindest soweit abzumildern, dass die Patienten den Angehörigen oder Pflegekräften nicht mehr zur Last fielen.

Insgesamt dürften im 20. Jahrhundert übrigens über 50.000 Menschen einer Lobotomie unterzogen worden sein, allein 3.439 davon gingen angeblich auf Freemans Konto.

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