Paruresis – Die Angst vorm Wasserlassen

paruresis

Unter einer Paruresis, umgangssprachlich auch als schüchterne Blase bezeichnet, versteht man eine Blasenentleerungsstörung, von der hauptsächlich Männer betroffen sind. Meistens leiden die Betroffenen unter dem Problem der nur unvollständigen Blasenentleerung bis hin zur Unmöglichkeit des Urinierens außerhalb der eigenen vier Wände auf öffentlichen Toilettenanlagen. Die zugrunde liegende psychische Störung, eine Form der sozialen Phobien, entwickelt sich häufig schon während der Pubertät.

Ursachen der Paruresis

Auslöser für die Probleme beim Urinieren ist normalerweise die Anwesenheit einer anderen Person oder genauer gesagt, die Angst davor beim Wasserlassen beobachtet oder belauscht zu werden. Daher kennt man auch die Aussage: „Ich kann nicht, wenn andere gucken.“ Interessant in diesem Zusammenhang ist aber, warum sich die Angst auf die Funktion der Blase auswirkt.

Zunächst einmal ist die Blase ein Speichermuskel, der wiederum durch einen inneren und äußeren Schließmuskel verschlossen ist. Diese Muskeln werden in erster Linie durch unser autonomes Nervensystem beeinflusst und nur ein kleiner Teil der Blasenfunktion lässt sich willentlich steuern.

Während im Speichermodus die Blase entspannt und die Schließmuskel angespannt sind, muss beim Entleeren der Blase der Parasympathikus, der Ruhenerv, aktiv werden, den Speichermuskel mobilisieren und die Schließmuskel entspannen, sodass sich die Blase entleeren kann. Aber Angst und Stress führen zu einer Aktivierung des Sympathikus und somit können die Schließmuskeln nicht geöffnet werden und ein problemloses Wasserlassen ist so ohne Weiteres nicht möglich.

Ursache für die Angst oder den Stress ist häufig ein Referenzerlebnis aus der Pubertät, das einen derart prägenden Eindruck hinterlässt, dass man ab dem Zeitpunkt des Ereignisses keine öffentliche Toilette mehr unbefangen aufsuchen kann. Das Referenzerlebnis wiederum kann verschiedene Ursachen haben: Vom Minderwertigkeitskomplex bis hin zu Stress in der Schule oder Streit mit der Familie.

Abgrenzung und Einschränkung der Lebensbereiche

Der eigentliche Krankheitswert der Paruresis liegt allerdings nicht im Wasserlassen selbst, sondern darin, dass der Betroffene beginnt, die als bedrohlich empfundenen Situationen bewusst zu vermeiden und sein Leben danach umorganisiert.

In diesem Fall bedeutet das vor allem, öffentliche Toiletten zu meiden und nur zu Hause Wasser lassen zu können. Dies führt zwar zu einer kurzfristigen Erleichterung, aber auf Dauer kommt es zu einer erheblichen Einschränkung in fast allen Lebensbereichen.

Hinzu kommt, das Betroffene in den seltensten Fällen über ihr Problem sprechen, da die Schamgrenze extrem hoch liegt. Befürchtungen verspottet oder nicht ernst genommen zu werden, sorgen für die zunehmende soziale Isoliertheit eines Patienten.

Behandlung von Paruresis

Dabei ist eine Paruresis, ist sie erst einmal diagnostiziert, relativ einfach zu behandeln. Wenn die Betroffenen lernen, sich vor dem Urinieren zu entspannen oder mental abzulenken, fällt es wieder leichter auch im Beisein anderer Wasser lassen zu können. Hierfür bedarf es aber meistens einer gezielten Therapie und eben nicht einfach Übungen zu Hause. Zusätzlich wird häufig auch die Beckenbodenmuskulatur trainiert, um den Schließmuskel bewusster und besser benutzen zu können.

Sollten Sie weitere Fragen zum Thema Paruresis haben, hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar oder melden Sie sich bei unserer kostenfreien Service-Nummer 0800/ 6288783.

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