Stuhlinkontinenz – Tipps und Therapien

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Bei einer gesunden Darmtätigkeit wird in der Regel drei Mal täglich bis drei Mal wöchentlich Stuhl abgesetzt. Dabei kann der Stuhlgang willentlich gesteuert sowie ort- und zeitgerecht abgesetzt werden. Bei der Verdauung und dem Stuhlgang spielen zahlreiche Muskeln und komplexe Nervenfasern zusammen, die bei einer Störung schnell zu Verdauungsproblemen bis hin zu einer Stuhlinkontinenz führen können.

Ursachen für eine Stuhlinkontinenz

Genau wie bei der Harninkontinenz, gibt es auch bei der Stuhlinkontinenz verschiedene Arten und Ursachen, die vor jeder Behandlung von einem Facharzt abgeklärt werden sollten. Leider scheuen sich noch immer viele Betroffene, Ihren Arzt mit diesem sensiblen Thema zu konfrontieren, dabei gibt es mittlerweile sehr gute Behandlungsmethoden, um eine Stuhlinkontinenz zu heilen oder die Beschwerden zu lindern.

Die häufigsten Ursachen für eine Stuhlinkontinenz sind vor allem Verletzungen des Darmtraktes oder der Schließmuskulatur. Diese können zum Beispiel durch Unfälle, Operationen, chronische Krankheiten oder Traumata, wie beispielsweise nach einer Geburt auftreten. Aber auch neurologische Erkrankungen, sowie die im Alter nachlassende Muskulatur oder eine gestörte Darmflora können Probleme mit dem Halten des Stuhlgangs auslösen.

Werden die Ursachen für eine Stuhlinkontinenz nicht gezielt behandelt, können sich die Beschwerden auch verschlimmern oder sich zu chronischen Krankheiten entwickeln und somit das gesamte Immunsystem des Betroffenen schwächen.

Therapiemöglichkeiten einer Stuhlinkontinenz

Je nach Schweregrad der Inkontinenz, gibt es zahlreiche Therapiemöglichkeiten, um eine Stuhlinkontinenz ohne operativen Eingriff zu behandeln oder zumindest zu lindern.

Ernährung und Medikamente

Bei leichten Beschwerden können meist Gase oder sehr flüssiger Stuhlgang nicht gehalten werden. Hier können bereits eine Ernährungsumstellung auf ballaststoffreiche Lebensmittel sowie der Verzicht auf blähende Speisen, Kaffee und Alkohol hilfreich sein. Unterstützend können hier auch Medikamente eingesetzt werden, die die Transportgeschwindigkeit der Nahrung durch den Darm reduzieren oder den Wassereinstrom in den Darm verringern. Somit wird die Häufigkeit des Stuhlgangs verringert und der Betroffene hat die Möglichkeit, seine Darmtätigkeit besser zu kontrollieren.

Beckenboden- und Toilettentraining

Ein gezieltes Beckenbodentraining verspricht nachweislich sehr gute Erfolge bei der Behandlung einer Harninkontinenz, kann aber auch die Kontrolle über den Stuhlabgang deutlich verbessern. Zusätzlich zu einem speziellen Toilettentraining, bei dem zeitlich getaktete Toilettengänge das Bewusstsein für die Darmtätigkeit stärken sollen, oder dem sogenannten Biofeedback, bei dem ein kleiner Ballon im Analkanal die Stärkung des Schließmuskels unterstützt, können leichtere Beschwerden gut behandelt werden.

Elektrostimulation

Sogenannter Reizstrom kann die Schließmuskelspannung  durch passive Muskelstimulanz ebenfalls verbessern und somit die Beschwerden einer Stuhlinkontinenz lindern. Allerdings bedarf diese Behandlungsmethode viel Geduld, da Erfolge wie beim herkömmlichen Beckenbodentraining, in der Regel erst nach einigen Wochen auftreten.

Einen Schritt weiter geht die sogenannte sakrale Neuromodulation, bei der schwache elektrische Impulse an die Nerven des unteren Rückenmarks abgegeben werden, die Darm, Rektum und Blase steuern. Da diese Methode auch bei Harninkontinenz eingesetzt wird, spricht man umgangssprachlich auch von einem Blasen-, Darm- oder Beckenbodenschrittmacher.

Operativer Eingriff

Sollten alle Behandlungsmethoden erfolglos bleiben, besteht für die Betroffenen noch immer die Möglichkeit eines operativen Eingriffs. Bei Schädigungen des Schließmuskels können bereits kleinere Eingriffe (nähen eines Risses, bspw. nach der Geburt) hilfreich sein. Bei größeren Schäden kann ein künstlicher Schließmuskel oder ein, aus körpereigenen Muskeln vom Oberschenkel, konstruierter Schließmuskel für eine bessere Funktionstätigkeit sorgen.

Eine weitere operative Methode ist die Kolostomie, bei der ein Teil des Dickdarms mit der Bauchdecke verbunden wird. An dieser künstlichen Darmöffnung, auch Stoma genannt, wird ein Beutel für die Ausscheidungen angebracht und der Stuhlgang über den Analtrakt sowie den Schließmuskel komplett vermieden. Diese Methode kann sowohl temporär, als auch dauerhaft festgesetzt sein.

Tipps zum Umgang mit einer Stuhlinkontinenz

Unabhängig von der Schwere der Stuhlinkontinenz, sollten Sie in jedem Fall das Gespräch mit einem Facharzt suchen oder sich von Ihrem Hausarzt entsprechend überweisen lassen. Erkrankungen des Darmtraktes können schwerwiegende Ursachen haben und sollten keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden. Immerhin ist der Darm das Zentrum unseren Immunsystems und wird auch als „Bauchhirn“ bezeichnet. Sehen Sie Ihre Beschwerden nicht als Tabuthema an, sondern gehen Sie offen mit Ihnen um – vielen Menschen geht es genauso wie Ihnen und es gibt keinen Grund, sich für seine Beschwerden zu schämen.

Tipps für den Alltag

Im täglichen Umgang mit einer Stuhlinkontinenz empfehlen sich aufsaugende Inkontinenzprodukte, wie speziell geformte Einlagen oder praktische Windelhosen oder Pants. Diese Produkte sind heutzutage besonders diskret gefertigt und verhindern durch leistungsfähige Saugkerne und Geruchsbinder, dass Ihr Umfeld Ihre Beschwerden wahrnimmt.

Wenn Sie körperlich mobil und gesundheitlich fit sind, sollten Sie Sport in Ihren Alltag einbauen. Dies muss kein Leistungssport sein, aber auch regelmäßiges Spazieren gehen und regelmäßiges Beckenbodentraining wirken sich positiv auf Gesundheit und Schließmuskulatur aus.

Und zu guter Letzt, achten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, denn eine gesunde Verdauung beginnt bei der bewussten Nahrungsaufnahme.

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